Bleeding 4 Metal

Brume - Rooster

Review von baarikärpänen vom 28.07.2017 (57 mal gelesen)

Die Westküste der USA, besser gesagt der "Sunshine State" Kalifornien. Und nicht erst seit Albert Hammond wissen wir, "It Never Rains in Southern California". Aber wir wissen auch, dass die kältesten Winter für viele die Sommer in San Francisco sind. Die Stadt der Blumenkinder, Hippie-Mekka. Hach ja, diese tollen Klischees. Nun sind die Blumen ja schon lange verwelkt (kein Wunder, wenn's nie regnet), die Hippies auch nicht mehr das, was sie mal waren. Aber trotzdem scheint San Francisco der Ort zu sein, wo sich der Spirit der damaligen Zeit gelegentlich manifestiert und auf junge Menschen überspringt. Mit BRUME hat es wieder drei dieser jungen Leute erwischt, die sich ganz dem Charme der Lavalampen hingeben und im Duft der Kräuterstäbchen schwelgen, ganz zu schweigen von ebensolchen Rauchwaren.

Wer sich, wie BRUME, von dieser Zeit musikalisch animiert oder inspiriert fühlt, der hat im Grunde die Wahl zwischen zappaesker Ausgelassenheit oder vertont die fast schon hypnotische Langsamkeit der Blasen besagter Lavalampen. Für zweiteres haben sich unsere Helden entschieden. BRUME sind tief im Doom verwurzelt, wie ihn frühe BLACK SABBATH, SAINT VITUS oder early PENTAGRAM (in Zeitlupe) spielen/spielten. Sechs Songs in 51 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Dass mit Susie McMullan eine Sängerin hinter dem Mikro steht, unterscheidet BRUME schon mal von ihren (offensichtlichen) Vorbildern. Ein weiterer Unterschied sind die dezenten Zitate aus Sludge oder dem (mittlerweile wieder mächtig angesagten) Classic Rock, die BRUME in ihren Gesamtsound einbauen. Stellvertretend für den Sludge-Faktor sei hier 'Call The Serpent's Bluff' erwähnt, während das wunderschön ruhige 'Welter' oder der Teile des Openers 'Grit And Pearls' eher klassisch rocken. Dass BRUME wissen, was sie wollen und können, wird klar, wenn man weiß, dass Gitarrist Jamie McCathie früher bei GURT aktiv war und Susie McMullan bei den leider völlig unterbewerteten THE BLAH BOUTIQUE schon den Bass gezupft und Teile der Leadvocals übernommen hat. Gekonnt produziert hat "Rooster" kein geringerer als Billy Anderson (u. a. NEUROSIS, BRUTAL TRUTH, MELVINS), auch wenn die Vocals von Susie des Öfteren hätten mehr im Vordergrund stehen dürfen. Bemerkenswert und toll auch die Covergestaltung. Das wäre für den ein oder anderen bestimmt ein klasse Motiv für ein Tattoo.

BRUME sind eine sehr interessante neue Band, die musikalisch leider nur in einer recht kleinen Nische ihren Platz finden. Ich bin mir aber fast sicher, dass sie sich da pudelwohl fühlen. Charmant übrigens auch die Entscheidung, "Rooster" nicht nur auf CD oder Vinyl auf den Markt zu bringen, sondern auch auf Kassette (ihr wisst schon, die Dinger, die man bei Stromausfall auch mit 'nem Kuli zurückspulen kann). 

Gesamtwertung: 7.5 Punkte
         

Jordan Perkins-Lewis

San Francisco, CA